Alimentierte Künstler

Es ist schon viel über Sven Regeners Rant beim BR geschrieben worden. Meistens ging es dabei um das Urheberrecht. Eigentlich wollte ich nichts dazu schreiben, aber Felix Schwenzels Artikel bringt mich dann doch dazu.

Felix geht auf die Pauschalabgaben für CD-Rohlinge, Smartphones,… ein, die an Künstler ausgeschüttet werden. Somit erhalten Künstler im Prinzip Subventionen.

Wenn man Regener (und auch anderen Künstlern, die ähnlich argumentieren) zuhört, bekommt man das Gefühl, dass er einerseits selbstverständlich Künstler und damit selbstständig sein möchte (hey, keine Auftragsarbeiten für Fürsten und anderes Gesindel, man möchte sich ja selbst verwirklichen und ausdrücken), andererseits soll aber eine einigermaßen vernünftige finanzielle Versorgung gesichert sein; allerdings  möglichst ohne eigenen weiteren Aufwand, der über Komponieren, Texten und Dichten hinausgeht. Wenn die Verkäufe der eigenen Werke nicht ausreichen, müssen es halt Pauschalabgaben, staatliche Kulturförderung oder das Anzapfen erfolgreicher branchenfremder Unternehmen richten. Im Prinzip möchte er alimentiert werden, also Selbstständiger mit Beamtenstatus* sein. ;)

Dass andere Menschen auch nicht von ihrem Job leben können und deshalb ggf. Zweit- oder sogar Drittjobs annehmen, wird ignoriert. Ein Künstler hat sich einzig und allein auf sein künstlerisches Schaffen zu konzentrieren. Der muss das nicht tun.

Was der selbst ernannte Indie Rocker Regener (ja, ja, erste Platte 1986 noch bei AtaTak, danach aber bei Polydor, Motor Music und schließlich bei deren Mutter Universal Music; verdammt unbekannte Indie Labels ;)) geflissentlich übersieht, ist dass es aufgrund stark gesunkener Produktionskosten und eines in den letzten 30 Jahren immer breiter werdenden Spektrums an Musik zu immer mehr Bands, Labels und Veröffentlichungen gekommen ist. Überspitzt gesagt, ist Punk daran schuld. Jeder kann Musik machen, egal ob er Gitarre spielen oder sie nur halten kann.

Vor 20-30 Jahren war das noch nicht so tragisch. Da blieb vom Kuchen für viele Musiker noch etwas übrig. Aber für was außer Musik sollte ein Jugendlicher damals auch Geld ausgeben? Es gab keine Handys und Playstations. Regener beklagt, dass für jeden “Scheiß” Geld da ist. Ja, ist es, aber es ist begrenzt. Da bleibt bei den meisten für Musik weniger übrig.

Regener will seine Videos auch nicht auf YouTube sehen, da YouTube nicht pro Klick zahlt. Sie soll es nur auf der Element of Crime Seite geben. Toll, da gibt es exakt ein Video. Das ist doch mal ein super Service für die Fans. Aber vielleicht hat Regener da auch nicht wirklich die Kontrolle (reine Vermutung). Seitenbetreiber ist nämlich Universal Music (nur nicht selbst um die Promotion kümmern). Lustig am Rande: Der Link zum Impressum geht auf eine Universal Music Seite, allerdings eine 404. Hey Regener, Du hast kein gültiges Impressum. Das ist abmahnfähig. ;)

*Ich bin Beamter.