Aus der beliebten Reihe “Finde den Fehler in der Argumentation”
Kleiner Tipp: Es beginnt bereits unter 1.:

Ein vollwertiger SSH-Zugang, Perl, PHP, Python und Ruby, node.js, FastCGI, MySQL, CouchDB und MongoDB, Cron-Jobs, HTTPS und vieles mehr. Ein Feature-Set, das mir unglaublich viele Türen öffnet.

(via netzpolitik.org)

Facebook braucht seine Nutzer, um seinen Wert nicht zu verlieren. Wenn die Nutzer lieber Dinge privat teilen, dann reagiert es darauf. Das Vertrauen der Nutzer soll zurückgewonnen werden, damit weiterhin eine Kapitalisierung der Daten stattfinden kann.

Das ist jetzt vielleicht eine weit hergeholte Interpretation des o.g. Zitats, aber ich habe schon länger das Gefühl, dass sich hinter netzpolitischem und datenschutzrechtlichem Aktionismus oft auch Kapitalismuskritik versteckt. Man muss Kapitalismus nicht gut finden, aber dann sollte man das auch deutlich sagen.

Vor die Wahl gestellt haben sich die meisten Seitenbetreiber für mehr Klicks und weniger Datenschutz entschieden, selbst wenn sie in ihrer Berichterstattung die Datensammelei stets kritisieren. Zu den wenigen Ausnahmen, die weiterhin die 2-Klick-Lösung im Einsatz haben, gehören Zeit Online und heise.de

Ja, ja, so ist das halt, wenn man als Zeitung mehr Klicks haben möchte. :D

Das falsche Postulat der Datenaskese ist eng verkoppelt mit der Fehlvorstellung eigentumsähnlicher Rechte an „meinen“ Daten. Aber nein: Die Daten „meines“ Tumors gehören nicht „mir“ allein. So wie wir heute von den Erkenntnissen aus der medizinischen Behandlung unserer Vorfahren profitieren, sollte dies auch in Zukunft sein. Wenn man über Krebsregister spricht, kann es nicht um gemeinwohlwidrige „Sparsamkeit“, sondern nur um Anonymität und Pseudonymität gehen.

neunetz:

Datenschutz war immer schon eine Idee, die sich auf ein gewisses Vertrauen dem Staat gegenüber stützte. Das Fundament ist zerbröckelt.

Auf netzpolitik.org berichtet Nicolas Fennen über den ersten Tag der re:publica 2013 aus netzpolitischer Sicht.

[Joe] McNamee konzentrierte sich in seinem Vortrag auf die Rolle von privaten Unternehmen bei der Überwachung der Internetnutzer, sowie einer generellen Überwachung des Internets.

Es werden dabei Firmen wie Apple und Facebook genannt. Auch wird auf die Rolle von Amazon, PayPal,… bei Wikileaks hingewiesen. Kurz: Private Firmen werden zur Rechtsdurchsetzung missbraucht.

Raegan MacDonald forderte wohl strengere Datenschutzregelungen.

So kam auch sie zu dem Ergebnis, dass die Gesetzgebung mit der enorm schnellen technischen Entwicklung nicht mithalten konnten und deshalb neue Datenschutzgesetz dringend notwendig sind.

MacDonald weiter:

Ebenso erwähnte sie die Einbeziehung privater Konzerne als Mittel des Staates um den Zugang zu Daten zu erlangen oder zumindest unliebsame Daten aus dem Internet fernzuhalten.

Das ist also das, was McNamee ebenfalls erwähnte.

Wir fassen zusammen: Der Staat soll Unternehmen verbieten, Daten zu sammeln und auszuwerten, die er eigentlich selbst gerne auswerten würde, aber dazu nicht in der Lage ist.

Ob da irgendetwas nicht funktionieren kann?

(via netzpolitik.org)

nochmal zurück zu ilse aigner. die sagte 2010:

"Auch der Umgang im weltweiten Internet braucht Regeln, die Datenschutz und Privatsphäre sichern."

die meldeämter sind nicht teil des internets und brauchen deshalb den datenschutz und die privatsphäre nicht zu sichern? wieso kann ilse aigner das bei facebook nicht akzeptieren, bei den meldeämtern aber schon?

Right to be Forgotten Pt. 2

Vor einiger Zeit hatte ich schon einmal auf den Unsinn des “Right to be Forgotten” hingewiesen. In einem Kommentar auf G+ bin ich heute auf ein weiteres Beispiel gestoßen, warum das Unsinn ist.

Topsy ist eine Suchmaschine, die hauptsächlich Twitter in Echtzeit durchsucht. Heute hatte ich den unten eingerahmten Beitrag aus Versehen auch nach Twitter weitergeleitet; ich hatte ihn dann auf Twitter aber sofort wieder gelöscht.

Tja, wie man sieht, ist er bei Topsy aktuell immer noch auffindbar. Ich bleibe dabei, dieses Right to be Forgotten ist Unsinn.

The Right to be Forgotten - oder nicht

Das ist bestimmt schon 1000x diskutiert worden. Aber egal.

In der heutigen FAS beklagt sich Stefan Tomik über die großen Internet Firmen. Ihr wisst schon, die amerikanischen Monopolisten, die Tentakel ausstreckenden Kraken, die es mit dem Datenschutz nicht so haben. Sie müssten “an die Kandare” genommen werden und auch sicher stellen, dass Nutzer ihre Daten restlos löschen können, also das bekannte Right to be Forgotten.

Natürlich kann man das fordern. Machen ja auch viele; sogar die, die angeblich verstanden haben wie das Internet funktioniert. Vielleicht habe auch einfach ich das nicht verstanden, das Internet und/oder das Recht vergessen zu werden.

Schauen wir uns mal einen kleineren, nicht von Tomik genannten Player an, Foursquare. Da kann ich meiner Umwelt meinen Standort mitteilen. Wenn ich das möchte, kann ich den Standort zusätzlich auch an Facebook und Twitter posten:

Falls ich so mitteilungsfreundlich bin, erfahren das also auch diese Dienste.

Tja, und wenn ich dann irgendwann ob meines großen Mitteilungsbedürfnisses erschreckt bin und nicht mehr möchte, dass die halbe Welt erfahren kann, dass ich vor zwei Jahren im Stripclub um die Ecke eingecheckt habe? Wohin wende ich mich da? An Foursquare, um meinen Account zu löschen? Damit ist der Checkin aber noch nicht aus Facebook und Twitter verschwunden. Also diese Accounts auch löschen? Hm, aber was ist, wenn jemand den Checkin auf Twitter gesehen hat und diesen Tweet als Favorit bei Favstar gespeichert hat? Wenn jemand einen Screenshot meines Tweets gemacht und ihn verbloggt hat. Und dann RSS, Atom, APIs, wieder Twitter, Facebook, Tumblr,… Eine unendliche Geschichte.

Was soll und kann also dieses Right to be Forgotten bewirken? Nichts, oder? Es wird Nutzern eingeredet, sie könnten ihre Daten wieder rückstandslos aus dem Netz tilgen. Pech, wer sich darauf verlassen wird.

Oder fordern die Verfechter dieses Rechts schlicht und ergreifend das Ende des Internet wie wir es heute kennen? So ganz ohne API, RSS,…?

“Die dritte Front, an der die Datenschützer kämpfen müssen, sind die Bürger selbst. Denn auch sie haben sich in Teilen vom Datenschutz verabschiedet.”

Datenschutz: Kampf an drei Fronten

Tja, und da verbittern viele Datenschützer. Der Bürger wird fast als Feind gesehen, der beschützt werden muss, ob er will oder nicht.

Mir fällt dann auch immer wieder das Wort “bekämpfen” ein.