The Right to be Forgotten - oder nicht
Das ist bestimmt schon 1000x diskutiert worden. Aber egal.
In der heutigen FAS beklagt sich Stefan Tomik über die großen Internet Firmen. Ihr wisst schon, die amerikanischen Monopolisten, die Tentakel ausstreckenden Kraken, die es mit dem Datenschutz nicht so haben. Sie müssten “an die Kandare” genommen werden und auch sicher stellen, dass Nutzer ihre Daten restlos löschen können, also das bekannte Right to be Forgotten.
Natürlich kann man das fordern. Machen ja auch viele; sogar die, die angeblich verstanden haben wie das Internet funktioniert. Vielleicht habe auch einfach ich das nicht verstanden, das Internet und/oder das Recht vergessen zu werden.
Schauen wir uns mal einen kleineren, nicht von Tomik genannten Player an, Foursquare. Da kann ich meiner Umwelt meinen Standort mitteilen. Wenn ich das möchte, kann ich den Standort zusätzlich auch an Facebook und Twitter posten:

Falls ich so mitteilungsfreundlich bin, erfahren das also auch diese Dienste.
Tja, und wenn ich dann irgendwann ob meines großen Mitteilungsbedürfnisses erschreckt bin und nicht mehr möchte, dass die halbe Welt erfahren kann, dass ich vor zwei Jahren im Stripclub um die Ecke eingecheckt habe? Wohin wende ich mich da? An Foursquare, um meinen Account zu löschen? Damit ist der Checkin aber noch nicht aus Facebook und Twitter verschwunden. Also diese Accounts auch löschen? Hm, aber was ist, wenn jemand den Checkin auf Twitter gesehen hat und diesen Tweet als Favorit bei Favstar gespeichert hat? Wenn jemand einen Screenshot meines Tweets gemacht und ihn verbloggt hat. Und dann RSS, Atom, APIs, wieder Twitter, Facebook, Tumblr,… Eine unendliche Geschichte.
Was soll und kann also dieses Right to be Forgotten bewirken? Nichts, oder? Es wird Nutzern eingeredet, sie könnten ihre Daten wieder rückstandslos aus dem Netz tilgen. Pech, wer sich darauf verlassen wird.
Oder fordern die Verfechter dieses Rechts schlicht und ergreifend das Ende des Internet wie wir es heute kennen? So ganz ohne API, RSS,…?